Jochen Klein

denkend glauben

Texte und Materialien zum christlichen Glauben

Kritisches zu rechts und links

Einleitung

Filmtitel wie „Radikale Christen in Deutschland. Kreuzzug von rechts“ (ARD) werden in letzter Zeit häufiger produziert. Und auch Zeitschriftentitel wie der vom Anzeiger für die Seelsorge: „Kirche und Rechtspopulismus“. Oder ein Text beim Deutschlandfunk: „Rechte Christen. Wahn! Wahn! Überall Wahn! Genderforschung gilt als Irrsinn, Homosexualität wird bekämpft, mehr als zwei Geschlechter gibt es nicht: Solche Thesen werden im Namen des Christentums vertreten … ‚Es gibt Themen, die für konservative Christen mit Rechtsdrall wichtig sind, bei denen man aber auch jeweils erkennen kann, wo die Grenzlinie verläuft. Das ist zum einen das Thema Abtreibung. Der Umgang mit dem Thema Gender und der Umgang mit dem Islam‘, sagt die Publizistin und Juristin Liane Bednarz.“

Vielen dieser Journalisten muss man zugutehalten, dass sie von der Bibel oder dem Christentum wenig Ahnung haben. Das wird oft schon allein an der Art der Darstellung einfachster Sachverhalte deutlich. So ordnen sie beispielsweise jahrhundertalte biblische Grundsätze einem angeblich rechten Milieu zu, ohne offenbar deren Tradition zu kennen und ihre Bedeutung in der Geschichte zu reflektieren. Der Tenor ist fast immer gleich: Rechts wird als Bedrohung oder Abqualifizierung und nicht als Beschreibung verstanden. So sucht man in öffentlich-rechtlichen oder kirchlichen Medien eher vergeblich nach Sendungen oder Texten wie „Kreuzzug von links“ oder „Kirche und Linkspopulismus“. Einer der Gründe liegt darin, dass der linke „Marsch durch die Institutionen“ erfolgreich war und diese dadurch eher links ausgerichtet sind – was in Bezug auf die großen Kirchen vielleicht verwundern mag, ist die linke Tradition doch eher eine nichtchristliche, um nicht zu sagen gottlose, widerbiblische. Der Philosoph Søren Kierkegaard meinte, dass die Linke ihr Programm nur wegen der darin enthaltenen Religiosität durchführen könne; diese sei eine „dämonische Religiosität“, ein Zerrbild des Christentums, dessen Lehre diabolisch verdreht werde.

Was sich in Bezug auf Christen ereignet, findet in Deutschland auch im größeren politischen Zusammenhang statt. Christliche Positionen werden oft als konservative, gestrige, rückständige Auffassungen identifiziert, die sich zum Teil mit wertkonservativen, also „rechten“ Einstellungen überlagerten. Verfolgt man die öffentliche Debatte, so hat man weiter den Eindruck, dass es grundsätzlich verwerflich sei, politisch „rechte“ Ideale zu vertreten. So ist in der Broschüre Stark gegen Rechts: Jugendverbände gegen rechte Einflussnahme von der linken Organisation IDA[1] – die das Logo des Bundesfamilienministeriums trägt – zu lesen: „Rechts steht kurz für Rechtsextremismus, Rechtspopulismus oder die Extreme Rechte. Weitere verwendete Begriffe sind Rechtsradikalismus, Rechtsterrorismus, Rechtsruck oder Neue Rechte.“ Unter diesen Umständen will kaum einer mehr öffentlich eingestehen, rechts zu sein.

Der Journalist Jan Fleischhauer schreibt über diese geradezu groteske Entwicklung in Focus online 2026: „Ich habe aufgehört zu zählen, was alles in Deutschland als Hinweis auf eine rechte Gesinnung gilt. Tracht. Zöpfe bei kleinen Mädchen. Seitenscheitel. Rüdes Verhalten. Zu höfliches Verhalten, Wandern.“ Und Henryk M. Broder ergänzt auf dem Onlineportal der Zeitung Die Welt zum Thema „Was ist links“ 2026: „‚Links‘ bedeute, ‚das Leben der Menschen zu verbessern, nicht zu verschlechtern‘ – sagte die Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek unlängst … Dennoch: Kann man/frau einfach so behaupten, ‚links‘ bedeute, ‚das Leben der Menschen zu verbessern, nicht zu verschlechtern‘? Gibt es da nicht historische Erfahrungen, die eher vom Gegenteil zeugen? Ich sage nur: Josef Stalin, Wladimir Lenin, Hugo Chávez, Fidel Castro, Mao, Pol Pot. Haben diese Ikonen der Linken das Leben der Menschen in ihrem Herrschaftsbereich zum Besseren gewandelt? Wie sah es in der DDR nach 40 Jahren real existierendem Sozialismus aus? Man nenne mir bitte eine linksrevolutionäre Regierung, die ein Land aus der Massenarmut in den Wohlstand für alle geführt hat, ein einziges Beispiel seit 1789 oder 1848 oder meinetwegen 1950!“

Christen, die sich die Bibel zum Maßstab nehmen, müsste dies alles nicht unbedingt weiter berühren – wenn es sie nicht immer mehr existenziell betreffen würde. Es gibt zahllose Beispiele in Deutschland, dass Studenten ausgegrenzt werden, wenn sie sich öffentlich als Christen bekennen. Und es gibt genügend Beispiele dafür, dass Menschen der Hassrede bezichtigt werden, wenn sie sich gegen Abtreibung, gegen eine homosexuelle Ehe oder für biblische Grundsätze einsetzen. Der Pauschalvorwurf lautet dabei öfter, „rechts“ zu sein oder ein Menschenfeind oder beides.

Mein Anliegen in diesem Text ist schwerpunktmäßig kein politisches, sondern eher eine gesellschaftliche Sensibilisierung. Es soll ein Versuch sein, mit Hilfe des Buches Rechts und links. Zur Karriere einer folgenreichen Unterscheidung in Geschichte und Gegenwart von Peter Hoeres, Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg,[2] etwas zur Transparenz der Begriffe und Hintergründe beizutragen. Auf dieser Grundlage dürfte meines Erachtens eine Orientierung leichter fallen. Dazu fasse ich weitgehend Hoeres’ Ausführungen zusammen.[3]

Rechts und links historisch

Eine Haupterkenntnis, die man aus diesem Buch gewinnt, ist, dass weite Teile des „Kampfes gegen rechts“ auf politischer Propaganda links zu verortender Institutionen und Organisationen basieren. Wir reden hier also nicht von rechtsradikal oder rechtsextrem. Man kann historisch belegen, dass die polemische Verwendung der Begriffe rechts und links in der politischen Auseinandersetzung oft vorkam. Dass sie in einer Demokratie gesellschaftlich eine so große Dimension gewann, ist (in Deutschland) eher neu.

Hoeres macht in seinem Buch zunächst grundsätzlich deutlich: „In den Weltreligionen ebenso wie in fast allen Kulturen und Sprachen galt die rechte Seite als die gute Seite. Die Französische Revolution aber hat das Verhältnis zwischen rechts und links politisiert und moralisch umgewertet“. Dies führte – nicht geradlinig – bis zum heutigen „Kampf gegen rechts“. Und: „Seitdem definiert diese Polarität unser politisches Koordinatensystem. Doch wo endet das eine und beginnt das andere? Nach welchen ideologischen Kriterien erfolgt die Zuschreibung? Waren Nationalsozialismus und Kommunismus rechts oder links?“

In der Einleitung erläutert der Autor, dass es Gelehrte gibt, die jenseits von links und rechts denken, arbeiten und Lösungsansätze finden möchten. Hoeres spricht sich jedoch für dieses Schema aus und hält es grundsätzlich für hilfreich. Aber er meint, die extrem zugespitzte normative Wertung der Begriffe gefährde mittlerweile das friedliche Zusammenleben der Staatsbürger.

Bei der Französischen Revolution erfuhren Demokratie, Republik und Revolution eine grundlegende Veränderung und Umdeutung, wobei auch neue Begriffe geprägt wurden, darunter die Sprachsymbole rechts und links – ohne dass aber die alte Bedeutung ganz verblasste. Die Rechts-links-Spaltung war die Verkörperung der neuen politischen Ordnung, in der es zunächst darum ging, für oder gegen die monarchische Macht zu sein. Die Vertreter des gesellschaftlichen „Unten“ saßen bald oben links und schauten spöttisch auf die „Plaine“ oder den „Sumpf“ herab. So wurde das Feindbild rechts geboren. Rechts zu sitzen oder sich dort zu verorten, wurde lebensgefährlich. 1793 wurden 27 bürgerliche Girondisten hingerichtet. Bald saß niemand mehr rechts. Der dortigen Seite Zugerechnete kamen nicht mehr ins Parlament.

Die frühe sozialdemokratische Presse Deutschlands verortete unter „links“ Sozialdemokraten, Demokraten und „Freigeistliche“. Andere lehnten es ab, die Arbeiterbewegung einer Richtung zuzuordnen. Die Linie des 19. Jahrhunderts bildete dann das neue Rechts-links-Schema im 20. Jahrhundert. Schon in der Französischen Revolution war der Gegensatz von national und universal angelegt. In Deutschland wanderte die ursprünglich linke und liberale Nationsidee nach rechts. Um 1900 war die politische Einteilung liberal, konservativ und progressiv dominant. Über die Rezeption der bolschewistischen Revolution in Russland wurden die Begriffe links und rechts in die USA eingeführt. Seit den 1950er Jahren galten die Republikaner als konservativ oder rechts und die Demokraten als liberal oder links. Mehr als die Hälfte der japanischen Wähler versteht heute das Rechts-links-Schema besser als das Schema konservativ versus progressiv. Auch in Australien, Neuseeland, Taiwan und besonders auf den Philippinen ist das Schema bekannt und wird parteipolitisch abgebildet.

Es ist interessant, dass die Rechts-links-Orientierung in unterschiedlichen Kontexten und Kulturen so erfolgreich war, und sicher gibt es dafür etliche Gründe. Wesentlich für unser Thema ist, dass die Rechts-links-Unterscheidung oft nicht mehr harmonisch gedacht, sondern für eine polare und polemische Ordnung der politischen Gesellschaft missbraucht wird. Hoeres schreibt dazu in Bezug auf die Französische Revolution: „Der dritte Stand etablierte sich als politisches Corpus in Opposition zur hergebrachten monarchisch-ständischen Ordnung. Damit setzte er sich gleichsam ins Un-Recht, im Gegensatz zur Ordnung und zum König. Die linke Seite war die Seite des Aufruhrs, des Widerstandes. Die Jakobiner als radikalste Vertreter dieser Bewegung verstanden das als Aufstand nicht nur gegen die politische, sondern auch die religiöse Ordnung: gegen den Gott der christlichen Religion, der durch eine Vernunft- und Tugendreligion ersetzt werden sollte. Das Schema musste also umgewertet werden. Erik von Kuehnelt-Leddihn erkennt in diesem Unterfangen, das sich an die ‚Verdammten der Erde‘, so die Internationale, wendet, ‚den luziferischen Stolz in der Identifizierung mit dem Verdammten. Der Links-Gedanke setzt ein absolutes Nein der göttlichen Schöpfung im Allgemeinen und der christlichen Ordnung im Besonderen entgegen‘“.

Rechts und links im Nationalsozialismus

Wie wenig klar das Rechts-links-Schema manchmal ist, zeigt das Beispiel Nationalsozialismus. Die typische Kausalkette rechts – rechtsradikal – Nazi ist bestenfalls ein Klischee. Oder wie Hoeres es ausdrückt: „Die Idee, auf einer Achse den Weg von der Mitte über die Konservativen und Rechten zu Hitler und den Nationalsozialisten führen zu lassen, ist unterkomplex und anachronistisch.“ Hier nur wenige Argumente dazu:

Hitler bekämpfte die Linken, die Rechten und die Liberalen, die Kirche und den Kapitalismus. Habituell und ideologisch verhasst waren ihm die traditionell konservativ-bürgerliche Elite und die Monarchie. Er glorifizierte den Arbeitertypus, die soziale Aufwärtsmobilisierung und die Sozialpolitik. All das zeigt, wo der Nationalsozialismus nicht klar auf der Rechten einzuordnen ist. Eine Rolle spielt auch das Selbstverständnis der NSDAP als Partei der Arbeiterklasse (was bereits im Namen anklingt), als Partei des Sozialismus, was immer wieder beschworen wurde, und als Partei der Egalität im Rahmen der Volksgemeinschaft.[4] Gegen eine Verortung auf der Linken sprechen der Antimarxismus und Antibolschewismus, das Fortbestehen von Privateigentum und marktwirtschaftlichem Konkurrenzprinzip, das taktische Bündnis mit den Konservativen und der Industrie und die Vorstellung von der normativen Ungleichheit der Menschen. Hitler bediente sich also zeitgenössischer Erwartungen von rechts und links. Das machte ihn so erfolgreich. Nur nebenbei: Der konservative Historiker Karlheinz Weißmann (s.u.) verortet den Nationalsozialismus eher rechts.

Rechts und links im Kommunismus

Im Kommunismus haben wir es mit einem Rechts-links-ultralinks-Kosmos zu tun. Die Richtungsbezeichnungen waren inhaltlich nicht fixiert, sondern Kampfbegriffe, um Abweichler und Oppositionelle zu markieren. Stalin instrumentalisierte diese Kategorien, um innerparteiliche Feinde zu identifizieren und Gegner auszuschalten. Die Identifizierung von Rechts- und Linksabweichlern war ein Herrschaftsinstrument und führte zur Verfolgung beliebiger Personen. Noch bei dem Putsch von 1991 bezeichneten sich Michail Gorbatschow, Boris Jelzin und die Putschisten jeweils selbst als links und ihre Feinde als rechts.

Rechts und links in der Bundesrepublik Deutschland

In der Bundesrepublik verwehrte der „Radikalenerlass“ von 1972 Kommunisten und Rechtsextremen den Zugang zum öffentlichen Dienst. Linke Gruppen, besonders die Rote-Armee-Fraktion, kamen immer wieder in Konflikt mit dem Staat. Einen „Kampf gegen links“, der gemeinsam vom Staat und von allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen getragen worden wäre, gab es aber zu keinem Zeitpunkt.

Noch 1953 hatte die FDP in Nordrhein-Westfalen mit der Parole „Rechts ran“ geworben, und es lassen sich noch mehr Beispiele nennen, wo Parteien mit Aufforderungen wie „Wähle rechts“ warben. Die Selbst- und Fremdbezeichnung rechts war in der Nachkriegszeit also keineswegs obsolet oder verpönt. Auch in den Hochzeiten der NPD Ende der 1960er Jahre und der Republikaner Ende der 1980er Jahre wurde kein simpler „Kampf gegen rechts“ ausgerufen. Selbst in den 1990er Jahren hatte sich rechts als allgemeiner Schmähbegriff noch nicht durchgesetzt.

Für die Ausgrenzung der rechten Seite war ein Konzert gegen die NPD 1979 in Frankfurt mit dem Titel „Rock gegen rechts“ zentral. Einige verbanden damit fortan auch Kämpfe gegen den Unionskanzlerkandidaten Franz Josef Strauß, die Atompolitik und den Staat an sich, und Rassismus und rechts wurden umstandslos in eins gesetzt. Mit den ausländerfeindlichen Ausschreitungen der 1990er Jahre fand das Motto „Kampf gegen rechts“ dann größere Verbreitung. Der rechte Gegner war dabei nicht scharf umrissen, eine genaue Abgrenzung fehlte. Während die CDU sich den „Gemeinsam gegen rechts“-Parolen damals zum Teil noch nicht anschloss, wurde der „Kampf gegen rechts“ zur dominanten Parole, als am 2. Oktober 2000 ein Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge geschah. In der Folge fanden Demonstrationen zum „Aufstand der Anständigen“ statt, der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder rief zu einer „machtvollen Demonstration gegen rechte Gewalt“ auf. Als die Tathintergründe ans Licht kamen – verantwortlich waren nicht, wie zunächst vermutet, Rechtsradikale, sondern zwei arabischstämmige Männer –, wurde das von Schröder ausgegebene Motto nicht korrigiert oder differenziert, sondern paradoxerweise bekräftigt.

In der Folge wurde in den Medien rechts, rechtsextrem, rechte Gewalt zu einem Gemisch zusammengerührt, das aus Anlass einer Tat arabischstämmiger Männer mit Bezug zum Nahostkonflikt zubereitet worden war. Nach und nach wurde das Label rechts Publizisten, Vereinen und Medien aufgeklebt, fast immer mit dem Ziel, sie zu delegitimieren. So wurde es ein Synonym für das zu bekämpfende Böse, und als solches ist es mittlerweile omnipräsent. Inzwischen gibt es fast alles gegen rechts: Singen, Feiern, Omas, Christen, Bischöfe usw.

Rechts und links heute

Infolge der Französischen Revolution ist also die skizzierte Umwertung von rechts und links in unserer Zeit zur unhinterfragbaren Herrschaft gelangt. In der gegenwärtigen politischen Semantik wird, ähnlich wie damals, immer weiter versucht, die Rechte als legitime Position in Vergessenheit geraten zu lassen oder zu beseitigen. Dieser Prozess ist unter allen westlichen Ländern in Deutschland am weitesten fortgeschritten. Demgemäß würde die Demokratie von links außen bis zur Mitte reichen; die Mitte wäre damit schon die neue Rechte. Wie wir oben sahen, hat sich damit die gängige Vorstellung eingeschlichen, dass man sich, je weiter man sich auf der politischen Geraden nach rechts bewegt, desto weiter auf den Nationalsozialismus zubewegt. Dies ist aus verschiedenen Gründen falsch. Einer ist, dass sich der Nationalsozialismus Ideen aus allen politischen Richtungen zusammenklaubte.

Der „Kampf gegen rechts“ ist also oft nicht der Kampf gegen den Nationalsozialismus oder Rechtsextremismus. Er kann bibeltreue Christen, Abtreibungsgegner, Konservative und sogar Linke mit abweichender Meinung treffen. In diesen Fällen zielt er oft auf soziale Vernichtung bis in die Privatsphäre hinein. So erhalten viele (zum Teil atheistische) Organisationen wie IDA oder die Amadeu-Antonio-Stiftung viel Geld vom Staat für den „Kampf gegen rechts“, und sie nutzen ihn, um auch gegen biblische Positionen mobil zu machen. Bei solchen Organisationen taucht rechts oft im Zusammenhang mit angeblichem Rassismus und Menschenfeindlichkeit auf. Dies führt auch dazu, dass linke (politische) Gewalt verschwiegen oder verharmlost wird und rechte Fehlleistungen aufgebauscht werden. Heute hat man es zum Teil mit Institutionen zu tun, die sich gewissermaßen als Teil der Antifa begreifen. Der „Kampf gegen rechts“ führt also teilweise zu Einschränkungen der Religions-, Meinungs-, Presse-, Wissenschafts- und Kunstfreiheit. Schließlich sehen wir, dass Bereiche dieser politischen Agitation eine neue Form des Totalitarismus darstellen.

Schluss

Das Buch von Peter Hoeres erläutert die Hintergründe ausführlich und enthält sehr viele Nachweise. Es zeichnet sich durch eine komprimierte, klare, gut gegliederte Darstellung aus. Eine historisch ausführlichere Schilderung mit detaillierten Begriffsgeschichten ist die von Karlheinz Weißmann: Rechts oder links. Von der Notwendigkeit politischer Unterscheidung.[5]

Die Konsequenz für Christen besteht wie immer darin, an den Grundsätzen der Bibel festzuhalten und diese in den jeweiligen Lebensumständen höflich, aber auch klar zu vertreten. Anfeindungen gab es in der Geschichte zahlreiche. Wichtig ist, ihnen geistlich zu begegnen. Schließlich kann man dies auch unter der Perspektive des geistlichen Kampfes betrachten (vgl. Eph 6,12ff.). Und bei allem Einstehen für biblische Grundsätze sollten wir uns bemühen, jenseits von Kategorien wie rechts und links positiv mit den Mitmenschen als Geschöpfen Gottes umzugehen.

Jochen Klein

[1] Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit.

[2] Peter Hoeres: Rechts und links. Zur Karriere einer folgenreichen Unterscheidung in Geschichte und Gegenwart. Springe (zu Klampen) 2025. 212 Seiten. ISBN 978-3-98737-043-4.

[3] Zum Hintergrund und zur Vertiefung sei auf folgende Texte verwiesen: „Kritisches zur 1968er-Bewegung“, „Kritisches zum Neomarxismus“. Rezensionen: Erwin Lutzer: „Wir werden nicht schweigen. Als Christen für Freiheit und Werte eintreten“. Erwin Lutzer: „Kein Grund, sich zu verstecken. Denen, die anders glauben, mit Überzeugung und Mitgefühl dienen“. Ralf B. Bergmann: „Die freie Gesellschaft und ihre Feinde“. Holger Schmitt: „Das Framing der Linken Von ‚Umverteilung‘, ‚Diversität‘ und ‚Nazis‘“ alles auf www.denkendglauben.de abrufbar.

[4] Goebbels veröffentlichte in seiner Zeitung Der Angriff einen Text unter der Überschrift „Warum wir Sozialisten sind“, und seine Schrift von 1927 Der Nazi-Sozi war eine Art nationalsozialistischer Katechismus mit marxistischem Vokabular; hier werden linke und rechte Seite gleichermaßen als Feinde bestimmt. Immer wieder verhöhnte er besonders die Rechte und das Bürgertum als Feinde. Der NS-Reichstagsabgeordnete Ernst Graf zu Reventlow äußerte: „Wir sind keine Faschisten, wir sind Sozialisten“, und in einem Zeitungsartikel schrieb er: „Wir Nationalsozialisten sind auch nicht ‚rechts‘“. Bei der Hitlerjugend und einzelnen NSDAP-Funktionären sind noch weitere Selbsteinordnungen als Linke und Parolen wie „Der Feind steht rechts“ nachzuweisen. Vielfach wurde die Hitlerbewegung als Variante des Bolschewismus oder eben als Sozialismus gesehen. Die Wahrnehmung des Völkischen als links war im Frühjahr 1924 nicht selten. Kommunisten und Sozialisten versuchten Hitler dagegen als Phänomen der etablierten bürgerlich-kapitalistischen Gegner einzuordnen. Die KPD stempelte ab 1929 alle Parteien rechts von ihr als faschistisch ab, einschließlich der SPD, die als „sozialfaschistisch“ galt.

[5] Karlheinz Weißmann: Rechts oder links. Von der Notwendigkeit politischer Unterscheidung. Berlin (JF Edition) 2025. 280 Seiten. ISBN 978-3-929886-95-5.

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